18.03.14

Heinrich, mir grünts vor dir

am geteilten Land
steht man sich gegenüber,
blicklos,
bricht einander Zweige
und lässt Verlorenes
in verschiedenen Sprachen schmerzen
verlässt sich gemeinsam
und gleicht die Richtungen einander an
ein Kreis befiehlt Wiedersehen
und die Löslichkeit
jeder Umdrehung
jeder Ort ist überall
kein Weg führt heim

21.02.14

Mignon

wenn uns das ufer
sinnvoller zerspringt
lebst du wohl
niemals,
aussteigen, niemals,
sortengefängnis ersteht auf und
fortgerissen werden
ist keine entschuldigung mehr
auf deinem wort kannst du ruhig kauen
wenn die wände einander ersehnen
und niemand mehr lebt
um den tod zu fürchten

10.02.14

Massaker

man stelle sich vor
man würde nicht aufgebahrt
sondern zersägt
geschliffen
gebettet 
gestuhlt
zu Särgen gemacht
in denen Bäume ruhen
geschminkt und 
scheinbar schlafend,
wie man sagt und auf den Gräbern
lägen Gläser mit Wind
zur Erinnerung












26.01.14

Mardermusik

Versunkenheit lässt sich
auch untereinander stapeln 
Freude am Mandelbaum
der letzte Sohn

kein Blick hinauf
wo nicht beginnen kann
wozu man kam
man reißt sich die Federn aus und  
ein Himmel aus 
Häusern und
Straße und
Schnee
und 
Häuser und
Straße und
Schnee aus
Himmel

wenn doch die Mandeln 
aus Bäumen kommen
welche Sprache
sprechen wir dann

es schlüpft der Tod hinein

und verliert nach Stunden
die Garderobenmarke 

23.01.14

Scheitertum

in der Tiefe
leckt das Jahr unsere Blicke rund
Königskind
was verstehst du
vom salzenen Tor der Vergänglichkeit
hier rotiert
was wir einst lieben wollten
als es in Taunässe lag
und aufbrechendes Kaltlicht in sich verhüllte
alles worauf wir bauen ist Haut
morgen ist
dein König tot
und wo keine Wurzeln mehr greifen
nimmt man dir nichts
was ist dir Seele und Land
wessen Kind bist du,
wenn der König verdampft